Auswandern nach Spanien

Ihr Ratgeber rund ums Auswandern nach Spanien

Wenn Sie vorhaben, dauerhaft nach Spanien überzusiedeln, sollten Sie sich klarmachen, dass Sie sich auf ein Abenteuer einlassen. Einer der größten Fehler, der ihnen unterlaufen kann, ist unvorbereitet in dieses Abenteuer zu schlittern.

Sie müssen sich deutlich machen, was genau Sie von diesem Schritt erwarten, und ob diese Vorstellungen realistisch sind. Auch in Spanien regnet es einmal, man trifft auch im Süden auf Menschen, mit denen man weniger gut auskommt. Nicht nur das Klima ist anders, auch zwischen den Kulturen gibt es Unterschiede. Und die Kommunikation in einer anderen Sprache, auch wenn Sie diese sehr gut beherrschen, ist nicht immer einfach.

Besonders in Situationen, in denen Sie auch im Heimatland gestresst wären, kann es schon einmal zu Gefühlen wie Verzweiflung kommen, auch wenn man dies auswanderungswillig ja nicht gerade erwartet. Mit dem Leben im Süden wird eben nicht alles leichter, anders vielleicht und auch sehr interessant, man sammelt wertvolle Erfahrungen für das gesamte Leben, wenn man seine gewohnte Umgebung hinter sich lässt, aber es gibt auch viele Situationen, die in einem fremden Land sehr viel mehr Kraft kosten, als man sich das vorstellen kann.

Ich erinnere mich da an einen Wasserrohrbruch, bei dem das Wasser aus allen Schränken tropfte, während mein knapp zweijähriger Sohn krank war. Der Handwerker besah den Riss in der Decke, der sich inzwischen gebildet hatte, sagte, er würde den Elektriker erst einmal holen und kam nie wieder. Dummerweise stellte er aber das Wasser, das mir liebenswürdige Nachbarn abgestellt hatten, wieder an, so dass bald zwischen Haus und Pool kein Unterschied mehr da war.

Juan, unser Vermieter war nicht zu erreichen, mein Mann auf Dienstreise in Deutschland. Ich war dann Tage ohne Wasser. Eine Situation, die im eigenen Land gar nicht so eskaliert wäre, dank besserer Sprachkenntnisse und auch einer anderen Mentalität der Handwerker (im günstigsten Fall.).

Auch im eigenen Land steht man oft vor Situationen, die man schwer meistern kann, die aber auch im sonnigen Süden nicht ausbleiben können. Das gilt für Alltagsprobleme mit den Mitmenschen genauso wie für schwierigere Angelegenheiten, wie beispielsweise einen Autounfall oder Einbruch.

Das sind Momente, in denen man auch im Heimatland ziemlich verzweifelt wäre. Aber dort hat man in der Regel ein gutes soziales Netzwerk, das einen auffängt und kann die Situation wesentlich besser bewältigen. Lebt man in einem anderen Land, kosten solche schwierigen Dinge enorm viel mehr Kraft und es ist ein großer Aufwand, sie zu regeln. Und dann nützt es auch nichts mehr, wenn das Wetter gut ist, vielleicht ist es sogar dann zu dieser Zeit gerade so heiß, dass man sich ein wenig nach den Herbsttagen im kühlen Deutschland sehnt…

Wer auswandert nimmt also zum einen sich selbst, eigene Probleme und eigene Vergangenheit mit, zum anderen kann er auch mit Situationen konfrontiert werden, die er sich nie erträumt hat. Das ist so, wie wenn man Kinder hat, da gibt es auch einige Situationen, in die man nie gedacht hätte, jemals zu kommen. Das Leben ist voller Überraschungen, wenn man sich auf Neues einlässt…

Sie sollten sich also ein ganz realistisches Bild davon machen, was die Umsiedlung nach Spanien bedeutet. Was erwarten sie dort? Sind diese Erwartungen realistisch oder wollen Sie nur dem grauen Alltag im Heimatland oder persönlichen Problemen entfliehen.

Sprechen Sie mit Menschen, die schon einmal im Ausland gelebt haben, fragen Sie sie, wie es ihnen ergangen ist. Versuchen Sie, schon vor der Übersiedlung ihre Spanischkenntnisse zu perfektionieren, denken Sie daran, dass Sie in viele Situationen kommen können, bei denen Spanischkenntnisse unerlässlich sind – deshalb bieten sich Sprachreisen nach Spanien besonders an, um sich vorzubereiten. Informieren Sie sich gründlich über die Mentalität der Spanier, auch über regionale Besonderheiten.

In Andalusien spricht man beispielsweise ein Spanisch, das dem Schwäbischen entspricht…Stellen Sie sich einfach einmal vor, wie schwer sich der Alltag in Deutschland gestalten würde, wenn Sie die Sprache nicht beherrschen würden. Lernen Sie auf jeden Fall Spanisch, in jeder Lebenslage. Die Spanier sprechen selten Deutsch, auch längst nicht alle Englisch. Wollen Sie also länger in diesen Land leben, so ist es sehr wichtig, sich eingehend mit Spanien zu beschäftigen und vor allem, in der Landessprache kommunizieren zu können.

Überlegen Sie sich alle Notlagen, die Ihnen auch im Heimatland große Probleme bereiten würden. Wie gehen Sie mit solchen Situationen um? Wie wäre es, wenn Sie in eine solche Situation in einem anderen Land kommen würden? Trauen Sie sich zu damit zurechtzukommen? Sind Sie flexibel und können Sie sich auf ganz neue Situationen einstellen? Es ist wichtig, auch die eigenen Schwächen zu kennen, bevor man diesen großen Schritt wagt.

Wer auswandert, sollte also nicht den Fehler machen, nur die Sonnenseiten des Lebens zu erwarten, sondern einen ganz normalen Alltag unter anderen und oftmals erschwerten Bedingungen.

Als wir nach Spanien ausgewandert sind, hatte ich einen sehr lebhaften Dreijährigen und einen Säugling von 10 Monaten. Eigentlich wollte ich schon vorher Spanisch lernen, aber mein anstrengender Alltag mit den Kleinkindern ließ mir keine Zeit dazu. So kam ich ohne Spanischkenntnisse in das fremde Land und war in der Situation, kein Wort zu verstehen…

Genau so sollten Sie es auf keinen Fall machen. Tatsächlich gibt einem das tägliche Leben natürlich unzählige Möglichkeiten, die Sprache zu sprechen und auch zu lernen, aber mein Alltag in Spanien war genauso anstrengend wie mein Alltag in Deutschland und ließ mir genauso wenig Zeit wie zuvor, die Sprache in Kursen zu lernen.

So kommt man aber sehr schnell in die Situation, in einem fremden Land sehr isoliert zu sein, denn ohne Sprachkenntnisse ist keine Kommunikation möglich. Schon der tägliche Einkauf kann dann zum Abenteuer werden, zum Beispiel wenn man versuchen möchte, dem Metzger in Zeichensprache zu erklären, dass er bitte Kopf und Beine vom Brathähnchen entfernen möchte.

Ohne Sprachkenntnisse ist man kaum fähig, Kontakte aufzubauen und nicht jeder ist gewillt, dem radebrechenden Ausländer zuzuhören und sich die Mühe zu machen, ihn zu verstehen. Am Arbeitsort mag man dann gegebenenfalls noch mit seinen Englischkenntnissen durchkommen, das normale Alltagsleben aber kann einen dann völlig überfordern.

Es ist also ratsam, schon lange vor dem Auswandern seine Sprachkenntnisse zu perfektionieren und sich vielleicht einen privaten Lehrer zu suchen, um möglichst fließend sprechen zu können. Gerade Notsituationen machen es nötig, sich wirklich gut verständigen zu können und die Mühe, die man sich macht, eine Sprache zu lernen, ist es allenfalls wert.

Es gibt noch unzählige Redewendungen und spezielle Ausdrucksweisen, die man mit sehr guten Spanischkenntnissen nicht versteht, man kann also im Land noch viel lernen. Aber ohne gute Sprachkenntnisse wird man sich in seiner neuen Heimat schnell isoliert und einsam fühlen und sich der Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen, völlig beschneiden.

Wer auswandern möchte, sollte also jede Gelegenheit nutzen, Spanisch zu lernen und auch zu sprechen, vielleicht mit einem Tandempartner, der auch gern Deutsch sprechen möchte. Die guten Sprachkenntnisse erleichtern ungemein den Alltag.

Bevor wir nach Spanien ausgewandert sind, hatten wir ein paar “Monate auf Probe” in Wales gelebt. Anbetrachts meiner Englischkenntnisse war der Aufenthalt dort ein Kinderspiel, denn das Allltagsgeschehen war relativ leicht zu meistern. In Spanien mit mäßigen Spanischkenntnissen oder nur mit Englisch kommt man dagegen nicht weit. Es gibt auch regionale Unterschiede in der Aussprache, in unserer Region beispielweise wurde ein Spanisch gesprochen, das selbst manch Spanier nur schwer versteht. Verstehen Sie einen Schwaben, sofern Sie nicht selbst einer sind?

Webtipp: Sprachurlaub Spanien

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